Insbesondere bei einem schnellen Internetzugang, wie einem Glasfaseranschluss, sollte man darauf achten Systeme zu verwenden die auch die notwendige Performance bieten. Weitere Gründe für aktuelle Hard- und Software könnten Updates sein die auf älteren Systemen nicht mehr durch den Hersteller gewährleistet sind. So kann es möglich sein, den Router an einem Internetanschluss durch ein neueres und moderneres Gerät zu ersetzen.

Generell sollte der Wechsel des Routers an einem Internetanschluss kein technisches Problem und auch für den Endkunden problemlos möglich sein.

Genau diese Situation ist bei mir der Fall gewesen. Die aktuelle Fritzbox 7390 sollte durch eine aktuelle Version 7590 ersetzt werden. Bei dem Wechsel habe ich darauf geachtet die neuere Version identisch zu konfigurieren und der Plan war das alte System zu entkabeln und das neue System einfach anzuschließen. Genau das hat aber so ohne weiteres nicht funktioniert und der vermeintliche Grund dafür ist etwas komplizierter. Im Nachgang betrachtet ist das alles recht logisch aber man kann ein paar wichtige Details übersehen.

Routerwechsel

Für alle diejenigen, welche sich mit der Materie nicht so im Detail auskennen die schnelle Lösung mit wenigen Worten. Sollte der neue Router nicht sofort funktionieren und ihr seid euch sicher dass die Konfiguration in Ordnung ist gebt dem System einfach eine Weile Zeit. Zieht alle Stecker raus, schaltet alles stromlos und geht mindestens eine Stunde davon weg. Lasst wirklich die Finger davon und trinkt in der Zeit in Ruhe einen Kaffee.

Ein kleiner Ausflug in die Technik

Damit der Router eine IP-Adresse bekommt muss der Provider DHCP Server ihm diese Adresse geben. Bei IPV4 wird die IP-Adresse auf Basis der sogenannten MAC-Adresse vergeben. Diese MAC Adresse ist eine weltweit eindeutige Hardware spezifische Adresse der Netzwerkkarte. Ist die MAC Adresse nicht bekannt wird eine IP Adresse aus einem Pool vergeben. Die Vergabe dieser IP-Adresse und Zuordnung zur MAC-Adresse hat eine sogenannte lease-time. Das bedeutet der DHCP-Server verleiht diese IP-Adresse für einen bestimmten Zeitraum. Danach fragt der Router erneut bei dem DHCP-Server nach und dieser bestätigt die Adresse für eine weitere Periode. Für den Moment merken wir uns einfach einmal das die MAC Adresse des Routers nun einer IP-Adresse zugeordnet ist.

Bei IP V6 wird die Vergabe der IP-Adresse nicht über die Hardware Adresse der Netzwerkkarte durchgeführt. Hier spielt die sogenannte DUID eine entscheidende Rolle. Dieser identifier wird aus unterschiedlichen Parametern initial gebildet und stellt ähnlich wie die MAC-Adresse eine eindeutige Identifikation für die Hardware da. Mit dieser DUID fragt der Router nach einer Adresse bei dem DHCP-Server an. Mit diesen Daten wird dem Router eine IP-Adresse verlieren und auch hierbei gilt eine zeitliche Begrenzung, die sogenannte lease-time.

Was passiert beim Wechsel des Routers?

Der neue Router kommt mit einer komplett neuen eindeutigen MAC Adresse und mit einem neu erstellten DUID. Erfolgt der Wechsel während die lease-time nicht abgelaufen ist, so kann es zu einer nicht eindeutigen Situation kommen durch die der Router keine IP-Adresse bekommt oder eine Adresse über die er keinen Zugriff auf das Internet erhält. Folglich ist für das gesamte Heimnetzwerk der Zugriff auf das Internet nicht möglich.

Bei einer Fritzbox findet man im Ereignislog dazu unterschiedliche Meldungen die immer wieder auf DHCP hinweisen.

Der Betrieb und die Verwaltung des DHCP-Servers liegen in der Verantwortung des Providers. Als Kunde hat man keine Möglichkeiten hier einen Reset oder eine Bereinigung der DHCP Datenbank anzustoßen. Auch der first level support des Providers, das ist der Mensch mit dem man als erstes am Telefon Kontakt hat, ist in der Regel nicht in der Lage detaillierte oder kompetente Aussagen zu treffen. Eine Überprüfung der Leitung und eventuell ein Reset von Netzwerkkomponenten bringt ebenfalls nichts. Der Systemverwalter für diesen DHCP-Server hätte die Möglichkeit auf die Datenbank zuzugreifen und könnte eine Bereinigung vornehmen.

Der Aufwand diese Person ans Telefon zu bekommen bzw diese Person ausfindig zu machen und zu motivieren genau dieses zu tun übersteigt bei weitem die Zeit, bis sich das System selbst bereinigt hat.

Das Problem ist weniger ein technisches Problem. Es ist vielmehr ein organisatorisches Thema, denn das Gesamtsystem reorganisiert sich quasi selbst. Eine Komponente darin ist die sogenannte lease-time. Da wir als Kunde nicht wissen wie lange die lease-time ist und auch nicht wissen wie lange andere im Hintergrund laufende Bereinigungen benötigen kann es unter Umständen auch notwendig sein bis zu 24 Stunden zu warten. Natürlich ist es auch möglich dass es viel schneller geht und dieses Problem quasi gar nicht auftaucht. Es gibt keine Vorgabe für Internetprovider wie die Parameter sein sollen und jeder entscheidet das für sein Betriebsmodell individuell für sich. Es ist absolut üblich in der IT administrative Betreuungsaufgaben in regelmäßigen Abständen durch Systeme zu automatisieren. Viele dieser Aufgaben erfolgen nicht in Echtzeit. Oftmals ist ein einfaches warten die beste Lösung. Auch qualitativ ist der manuelle Eingriff nicht wirklich eine gute Lösung. Ein einmal etablierter Prozess der automatisch richtig läuft wird oftmals durch manuelles Eingreifen eher kaputt repariert und verärgert alle Beteiligten. Nicht selten fallen dadurch ungeplante Nacharbeiten an die zu erhöhten Aufwänden und Unzufriedenheit führen.

Ich war nun neugierig und wollte im Detail wissen warum es nicht geht und habe einiges an Zeit investiert um es zu verstehen. Die Komplexität eines dual-stack Anschlusses, also eines Anschlusses der sowohl eine IPv4 und eine IPv6 Adresse bekommt macht die Situation nicht einfacher. Hierbei gibt es im Detail noch ein paar Wechselwirkungen die ebenfalls für den Laien verwirrend sind und zu falschen Schlussfolgerungen führen können.

In diesem Sinne kann ich nur eine Empfehlung aussprechen, wechselt nicht zu häufig den Router am Internetanschluss und nicht immer ist der Provider schlecht nur weil etwas nicht läuft wie es laufen soll bzw laufen sollte. In den meisten Fällen gibt es gute Gründe dafür warum es so ist wie es ist.