Ende Oktober ging es für mich für vier Tage nach Zingst an die Ostsee. Das Besondere daran: Es war meine erste bewusst geplante Fotoreise, bei der die Wildlife- und Tierfotografie im Mittelpunkt stand. Mein Hauptziel waren Kraniche, daneben wollte ich nach Wildgänsen und vielleicht auch Seeadlern Ausschau halten. Natürlich sollte auch die Landschaftsfotografie nicht zu kurz kommen. Ich hatte mich bewusst dafür entschieden, die Reise selbst zu organisieren, statt an einer geführten Fototour teilzunehmen. Dazu gehörte, mich vorab mit der Region, dem Verhalten der Tiere und möglichen Fotostandorten auseinanderzusetzen. Auch Gespräche mit anderen Fotografen und Menschen vor Ort waren für mich ein wichtiger Bestandteil. Gerade diese eigenständige Vorbereitung und die Möglichkeit, spontan auf Situationen zu reagieren, machen für mich einen großen Teil des Reizes aus.

Mittwoch, 28. Oktober – Anreise und die ersten Kraniche

Um 7:24 Uhr ging es los Richtung Ostsee. Die Fahrt verlief angenehm ruhig, auf der Autobahn war wenig Verkehr und größere Staus gab es nicht. Nach etwa 150 Kilometern legte ich die erste Pause bei einem Bäcker ein. Ein Brötchen und ein Cappuccino waren genau das Richtige für den Start in den Tag. Gegen 10:25 Uhr erreichte ich Hamburg und gegen 11:30 Uhr folgte eine weitere Pause in Wismar am Alten Hafen. Anschließend ging es weiter Richtung Zingst. Bereits etwa 20 Minuten vor meinem Hotel entdeckte ich kurz vor Fuhlendorf die ersten Kraniche auf den Feldern. Natürlich musste ich anhalten und die Kamera auspacken. Das war schon einmal ein hervorragender Einstieg in die Reise, denn die ersten Kranichfotos waren im Kasten, bevor ich überhaupt mein Hotel erreicht hatte.

Gegen 15 Uhr konnte ich im Hotel IV Jahreszeiten in Zingst einchecken. Anschließend fuhr ich noch einmal zu den Feldern bei Fuhlendorf zurück. Bis zum Sonnenuntergang blieb ungefähr eine Stunde Zeit, und diese Stunde hatte es wirklich in sich. Die Kraniche boten zahlreiche Fotomöglichkeiten. Besonders schön waren die Aufnahmen im warmen Abendlicht. Einige Kraniche flogen sogar direkt vor der untergehenden Sonne entlang, sodass interessante Silhouetten entstanden. Allein diese Bilder waren die Anreise schon wert. Am Abend ging es zurück ins Hotel. Nach einem Besuch in der Sauna ließ ich den Tag bei einer ersten Sichtung meiner Fotos ausklingen. Rund 3.000 Aufnahmen waren bereits am ersten Tag zusammengekommen.

Donnerstag, 29. Oktober – Schwieriges Wetter und besondere Lichtstimmungen

Nach dem Frühstück beschäftigte ich mich zunächst mit der Sichtung der Bilder vom Vortag und konnte bereits einige Favoriten auswählen. Das Wetter zeigte sich am Morgen zunächst wenig einladend. Es war diesig und bewölkt, die Lichtverhältnisse entsprechend schwierig. Im Laufe des Nachmittags besserte sich das Wetter allerdings zunehmend, bis der Himmel schließlich vollständig wolkenlos war. Am Abend versuchte ich, Kraniche an einer Brücke im Flug zu fotografieren. Das Licht war hervorragend, allerdings gab es ein Problem: Die Kraniche flogen in sehr großer Entfernung vorbei. Dadurch ließen sich zwar die typischen Flugformationen erkennen und fotografieren, Details der einzelnen Vögel waren aber kaum auszumachen.

Vor Ort kam ich mit anderen Besuchern ins Gespräch, die ebenfalls fotografieren wollten. Dabei zeigte sich einmal mehr, wie wichtig die passende Brennweite bei der Tierfotografie ist. Mit einem Smartphone oder einer kurzen Brennweite waren die weit entfernten Kraniche praktisch nicht sinnvoll zu fotografieren. Ein besonderes Erlebnis gab es dann noch kurz vor Sonnenuntergang. Durch die Wetterbedingungen bildete sich innerhalb weniger Minuten dichter Nebel. Diese schnelle Veränderung der Landschaft war faszinierend. Ich nutzte die Gelegenheit, um einige Landschaftsaufnahmen zu machen und die besondere Nebelstimmung im letzten Abendlicht einzufangen. Damit hatte der Tag trotz der großen Entfernung zu den Kranichen fotografisch noch einen sehr schönen Abschluss.

Freitag, 30. Oktober – Weitere Fotostandorte und die letzten Aufnahmen

Der Freitag war mein letzter vollständiger Fototag. Ich nutzte ihn, um weitere Motive und Perspektiven rund um Zingst zu entdecken. Dabei ging es nicht ausschließlich um die Tierfotografie. Auch ungewöhnliche Blickwinkel und interessante Landschaftsausschnitte hatten ihren Reiz. Zwischendurch fuhr ich nach Zingst und gönnte mir im Café Rosengarten einen Cappuccino und etwas Wasser. Anschließend ging es zunächst zurück zum Hotel.

Später stand noch einmal die Tierfotografie im Mittelpunkt. Die Kraniche sortierten sich auf den Feldern immer wieder neu, sodass ich mehrfach meinen Standort und meine Aufnahmeposition veränderte. Gerade das macht für mich einen großen Teil der Wildlife-Fotografie aus: Man kann die Tiere nicht dirigieren, sondern muss beobachten, warten und auf die jeweilige Situation reagieren. Gegen 16:30 Uhr wurde das Licht schließlich so schwach, dass weitere Aufnahmen kaum noch sinnvoll waren. Damit waren die letzten Tierfotos dieser Reise gemacht. Mein erstes Fazit stand zu diesem Zeitpunkt bereits fest: Die Reise hatte sich gelohnt, und so etwas würde ich gerne wiederholen.

Samstag, 31. Oktober – Rückreise und weitere Erkenntnisse

Am Samstag ging es wieder Richtung Heimat. Auf der Rückfahrt kam ich noch einmal an den Wiesen bei Hermannshof an der Alten Langen Straße vorbei. Diesen Standort möchte ich mir unbedingt für zukünftige Fotoreisen merken, denn hier hatte ich besonders viele Kraniche auf den Wiesen beobachten können. Interessant ist außerdem, dass bereits vor Hermannshof, wenn man aus Richtung Hamburg kommt, weitere Wiesen liegen, auf denen sich Kraniche aufhalten. Wer aus Richtung Hamburg anreist, sollte deshalb schon vor Hermannshof die Augen offen halten und die Wiesen entlang der Strecke aufmerksam beobachten. Nach meinen Erfahrungen sind besonders die frühen Morgenstunden sowie der späte Nachmittag und Abend interessant. Für die nächste Reise werde ich diese Standorte auf jeden Fall wieder berücksichtigen.

Technische Ausstattung – was sich bewährt hat

Bei der Ausrüstung habe ich auf meine Canon EOS R6 Mark III gesetzt. Besonders bewährt hat sich die Kombination mit dem Canon RF 200–800 mm. Dieses Objektiv ist für die Kranichfotografie wirklich hervorragend geeignet. Die große Brennweite ermöglicht Aufnahmen aus größerer Entfernung, ohne die Tiere unnötig zu stören. Trotzdem habe ich festgestellt, dass selbst 800 mm manchmal nicht ausreichen. Für eine zukünftige Reise würde ich deshalb gerne einmal ein Objektiv mit 1.000 oder sogar 1.200 mm ausprobieren. Interessant wäre auch eine entsprechende Festbrennweite. Vielleicht bietet sich die Möglichkeit, ein solches Objektiv für ein paar Tage auszuleihen. Bei den Akkus gab es dagegen keinerlei Probleme. Zwei Akkus waren für meine Fototage vollkommen ausreichend.

Eine wichtige Erkenntnis dieser Reise betrifft die Speicherkapazität. Ich hatte eine CFexpress-Karte mit 128 GB in der Kamera. Während der Reise habe ich die Aufnahmen bewusst nicht von der Karte gelöscht, um herauszufinden, wie weit ich mit dieser Kapazität komme. Am Ende wurde der Speicher tatsächlich knapp. Meine Erkenntnis daraus: Zwei CFexpress-Karten mit jeweils 128 GB hätten für die drei bis vier Tage ausgereicht. Eine einzelne 256-GB-Karte wäre natürlich ebenfalls eine Möglichkeit. Allerdings ist eine zweite 128-GB-Karte in der Anschaffung günstiger. Dass ich zwischendurch einmal die Karte wechseln muss, stört mich nicht. Für die parallele Speicherung der JPEG-Dateien reichen normale SD-Karten mit 64 GB. Eine zweite Karte beziehungsweise eine 128-GB-SD-Karte bietet zusätzliche Reserve.

Eine weitere Erkenntnis betrifft die Datensicherung. Bei der nächsten Fotoreise werde ich auf jeden Fall eine ausreichend große externe SSD mitnehmen. Damit lassen sich die Aufnahmen jeden Abend über das Notebook sichern. Wichtig ist, dass die SSD genügend Kapazität für die tägliche Datensicherung bietet und ausreichend Speicherreserve für die folgenden Tage vorhanden ist. So kann ich bei Bedarf auch Speicherkarten wieder freimachen, nachdem die Bilder zuverlässig gesichert wurden. Eine zusätzliche Sicherungskopie wäre dabei natürlich sinnvoll.

Meine Erfahrungen und Tipps für die Kranichfotografie

Aus diesen wenigen Tagen habe ich bereits einiges mitgenommen. Ein wichtiger Punkt ist die Wahl der Fotostandorte. Die Kraniche halten sich nicht zwangsläufig dort auf, wo man sie erwartet. Es lohnt sich deshalb, die Umgebung aufmerksam zu beobachten und auch einmal spontan anzuhalten. Die Wiesen rund um Hermannshof und Fuhlendorf haben sich für mich als besonders interessant erwiesen. Auch die Tageszeit spielt eine entscheidende Rolle. Das Licht am frühen Morgen und am späten Nachmittag bietet häufig die schönsten Möglichkeiten. Allerdings muss man flexibel bleiben. Nicht jeder Standort funktioniert zu jeder Tageszeit gleich gut. Das habe ich beispielsweise am Donnerstag erlebt, als die Kraniche zwar bei hervorragendem Licht unterwegs waren, aber viel zu weit entfernt flogen. Dafür entstanden später durch den aufziehenden Nebel ganz andere, ebenfalls interessante Bilder.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Geduld. Die Tiere bewegen sich nach ihren eigenen Regeln. Manchmal muss man einfach warten, beobachten und gegebenenfalls den Standort verändern. Auch die Vorbereitung spielt eine wichtige Rolle. Wer sich vorher mit der Region, den Lebensräumen und dem Verhalten der Tiere beschäftigt, hat bessere Voraussetzungen, interessante Situationen zu entdecken. Trotzdem sollte man sich nicht zu sehr auf einen festen Plan versteifen. Gerade die spontanen Entdeckungen haben diese Reise für mich besonders interessant gemacht.

Mein Fazit – die erste Wildlife-Fotoreise war ein voller Erfolg

Diese Reise war für mich in mehrfacher Hinsicht etwas Besonderes. Zum ersten Mal habe ich eine mehrtägige Fotoreise ganz bewusst auf Wildlife- und Tierfotografie ausgerichtet. Dabei ging es mir nicht nur darum, möglichst viele gute Bilder mit nach Hause zu bringen. Ich wollte auch herausfinden, wie eine solche Reise für mich funktioniert. Welche Ausrüstung brauche ich tatsächlich? Wie viel Speicherplatz ist notwendig? Welche Tageszeiten sind besonders interessant? Und wie viel Vorbereitung ist sinnvoll? Auf viele dieser Fragen habe ich während der vier Tage erste Antworten gefunden.

Besonders gut gefallen hat mir, dass ich die Reise vollständig selbst organisiert habe. Ich möchte auch zukünftig nicht unbedingt an geführten Fototouren teilnehmen. Für mich gehört es dazu, mich vorab mit der Region und dem Verhalten der Tiere auseinanderzusetzen, mögliche Fotostandorte zu recherchieren und vor Ort mit anderen Menschen ins Gespräch zu kommen. Gerade diese Mischung aus Vorbereitung, eigenen Entdeckungen und spontanen Entscheidungen macht für mich den Reiz aus. Natürlich funktioniert nicht immer alles wie geplant. Manchmal sind die Tiere zu weit entfernt, das Licht passt nicht oder die Bedingungen verändern sich innerhalb weniger Minuten. Aber genau das gehört zur Naturfotografie dazu.

Die Kraniche im Sonnenuntergang, die besonderen Nebelstimmungen und die vielen Begegnungen auf den Feldern haben diese Reise für mich zu einem tollen Erlebnis gemacht. Mein Fazit ist deshalb eindeutig: Das war sicherlich nicht meine letzte Wildlife-Fotoreise. Im Gegenteil, ich habe richtig Lust bekommen, solche Touren häufiger zu unternehmen. Und wenn es zeitlich passt, geht es im nächsten Jahr vielleicht wieder nach Zingst.